Angst zu Verwöhnen
Eine prompte Bedürfnisbefriedigung ist nicht mit dem Verwöhnen im negativen Wortsinn gleichzusetzen. Feinfühligkeit unterscheidet sich von Verwöhnen und Überbehüten dadurch, dass feinfühlige Eltern ihr Kind in seiner zunehmenden Selbständigkeit und seiner wachsenden Kommunikationsfähigkeit fördern.
Manche Eltern machen sich Sorgen, ob sie ihrem Kind schaden, wenn sie auf alle seine Bedürfnisse eingehen. Sie glauben, man müsse das Kind vom ersten Lebenstag an dazu erziehen, zu warten und zu verzichten und ganz allgemein auf die "Härte des Lebens" vorbereiten. Viele Vorurteile aus früheren Erziehungsmethoden wirken hier nach. Tatsächlich kann der Säugling von diesem „gut gemeinten“ Verzichts- und Frustrationstraining gar nicht so profitieren, wie die Eltern es erhoffen. Der Säugling hat noch kein bewusstes „Ich“ entwickelt. Es erfährt bei Nichtbeachtung nur, dass seine Stimme nicht gehört wird und seine Bedürfnisse nichts zählen. Schenkt ihm die Umgebung keine Aufmerksamkeit führt dies im Innersten zum Gefühl, nichts wert zu sein.
In den ersten Lebensjahren bilden sich das Urvertrauen und das Selbstwertgefühl. Man kann den Säugling aus dieser Sicht heraus gar nicht verwöhnen.
